Die große Actimel-Studie: Tag 1

Wir wollen es endlich wissen. Wir fühlen Actimel auf den Zahn. Was ist dran an dem vielgepriesenen "stärkt die Abwehr" und dem von (Fast-Diplom-)Meteorologe Jörg Kachelmann verkündeten "Es geht mir besser."

Wir haben beschlossen, das in einer Studie auf höchstem best möglichem wissenschaftlichen Niveau zu untersuchen.

Studiendesign:
Es handelt sich um eine prospektive, randomisierte Fall-Studie.

Endpunkte sind:

1. Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens ("Es geht mir besser.") gemessen an einer Befindlichkeitsskala von 0 (Exodus) bis 10 (besonders sehr gut) und

2. Nicht-Verschlechterung des Gesundheitszustandes z.B. Verhinderung einer Erkältung o.ä. gemessen durch tägliche Fiebermessen und Einschätzung typischer Erkältungssymptome.

Der Endpunkt "bessere Verdauung" wurde verworfen, weil das Produkt dazu keine Versprechen macht. Dafür müssten wir eine Studie mit Activia, ebenfalls Danone, durchführen. Trotzdem werden wir den Punkt "Verdauung" täglich protokollieren.

Prospektiv ist die Studie, weil wir nicht rückblickend unseren Zustand über einen vergangenen Zeitraum betrachten (retrospektiv), sondern über den Zeitraum der nächsten 14 Tage (Geld-zurück-Garantie).

Randomisiert ist die Studie, weil wir zufällig eine Person ausgewählt haben, die täglich ein Fläschchen Actimel trinkt. Der Zufall wollte es so, das dies ein Mitglied von Plazeboalarm ist (in dem Fall ich).

Es handelt sich um eine Fall-Studie, da wir leider nicht in der Lage waren, mehr als einen Probanden aufzutreiben.

Dies verhinderte auch die Chance eine doppeltblind randomisierte Studie durchzuführen, weil Proband und Betreuer aus Kapazitäts- und Kostengründen ein und diesselbe Person sein müssen.

Placebokontrolliert ist deshalb auch nicht möglich, weil wir keine Kontrollgruppe zur Verfügung haben, und es uns auch nicht möglich ist, einen gleichschmeckenden Ersatztrank (Placebo) herzustellen.

Versuchsablauf: Wir werden täglich über den Zeitraum von 14 Tagen ein Actimel der Firma Danone ohne spezielle Geschmacksrichtung einnehmen.

Auf der Befindlichkeitsskala werden wir unsere Befindlichkeit notieren, außerdem beschreiben wir Symtome, die auf eine Erkältung oder ähnliches hindeuten.

Anzahl der Probanden:
n=1, männlich, Kaukasier.

Testgetränk:
Zuvor wurden vier Viererpacks Actimel (mit L. casei defensis-Kulturen) im örtlichen Supermarkt gekauft. Sie lagern auf dem Balkon, was derzeit noch ausreichende Kühlung garantiert.

Ethikrat:
Die Studie ist vom Familienrat abgesegnet.

Finanzierung:
Finanziert wird die Studie zunächst durch den teilnehmenden Probanden/Betreuer. Sollte der Endpunkt "Ich fühle mich besser" nicht erreicht werden, übernimmt Danone dank der "Geld-zurück-Garantie" die Kosten.

Competing interest/Conflicts of interest:
Wir erklären, dass es keinerlei Verbindung zu Danone gibt.

Protokoll Tag 1:
Wir haben um 09:15 Uhr ein Fläschchen Actimel in drei Zügen geleert.

Wir fühlen uns durchschnittlich gut. Das entsprich auf der Befindlichkeitsskala einer 6.

Erkältungsymptome stellen wir keine fest. Müssen aber notieren, dass wir vor ca. eineinhalb Wochen eine starke Erkältung hatten. Wir müssen gelegentlich noch zum Taschentuch greifen, um die Nase frei zu schneuzen, was aber auch als mögliche Symptome einer bekannten Hausstauballergie oder des beginnenden Heuschnupfens gewertet werden können. Gelegentliches Niesen. Die Verdauung ist gut.
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jupe | 22. Feb 2007, 11:24

gute idee. trotzdem mein mitleid. actimel is ur grauslich finde ich.
Bei "uns" gibts ja immer so eine Actimel-Belästigung durch einen Radiomoderator, der eine werbungs-studie (daher völlig sinnlos) durchführt. In der Werbung lässt er sich anniesen und anschnupfen von wildfremden. Aber da er ja seit über zwei Wochen dieses Zeug trinkt passiert ihm auch nichts. na dann!
Zum Glück (für actimel) habt ihr euch dafür einen warmen Winter ausgesucht...
Webcat72 | 23. Feb 2007, 09:57

*gg* nette Idee ...

soll ich das ganze parallel als "Vergleichsstudie" mit dem Billigzeugs vom Kaufland mitprotokollieren ?? Vorteil: Neben Geschmacksvorteilen ... hat Schraubverschluss, d.h. Kinder können es als Joghurtdrink mit in die Brotzeit nehmen. Nachteil: Schmeckt nicht so gesund, Placebo entfällt ;)
tom-ate | 21. Apr 2009, 21:45

Wie Placebo wirklich wirkt

Mit Gruß
tom-ate

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