„Es fehlen nur die Kirchen“

Die Pharmabranche bekommt es gerade ganz schön dicke. Erst schreibt die ehemalige Chefredakteurin des New England Journal of Medicine Marcia Angell ein Insiderbuch über die Arzneimittelhersteller. Dann lässt sich Richard Smith, Ex-BMJ-Redakteur, über die Branche aus.

Jetzt erfahren wir, dass sich ein ganzer Ausschuss des britischen Unterhauses mit dem „Einfluss der Pharmabranche“ befasst hat. Politisch korrekt weist der natürlich auch auf die positiven Seiten hin (wie überstände ich sonst auch den Sommer, ohne Heuschnupfenmittel?).

Das Hauptthema ist indes die Schattenseite: Der Ausschuss kritisiert den „massiven Einfluss“ und das „Potenzial zur Verzerrung“. Ergebnis ist das, was man unter dem Stichwort „Medikalisierung der Gesellschaft“ zusammenfasst. Jeder Pups wird zur Krankheit erklärt.

Es lohnt sich, den Bericht im Original zu lesen (Englisch), aber auch die Zusammenfassung in zwei Teilen mit entsprechenden deutschen Beispielen aus der Süddeutschen Zeitung, bereitgestellt auf Klaus Kochs Seite evibase.

Schönster Satz zum Einfluss der Pillendreher: „Es fehlen nur die Kirchen“.
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martin_ | 25. Mai 2005, 22:48

Also mal Butter bei die Fisch'

So beeinflussen (manipulieren?) Pharmafirmen die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen:
Die Forscher: neun von zehn klinischen Studien werden von Pharmafirmen finanziert. Da hängen Jobs und Karriere dran. Manche Studien sind fingiert.
Die Fachgesellschaften: Sponsoring von Kongressen und Medien-Kampagnen für mehr Aufmerksamkeit.
Ärzte: 12.000 bis 15.000 Pharmavertreter lullen die deutschen Ärzte ein.
Politk: ehemalige Politiker oder hohe Staatsbeamte werden Pharmalobbyisten; z.B. Cornelia Yzer, heute Lobbyistin für den Verband der forschenden Arzneimittelhersteller, vormals Staatssekretärin im Bundesforschungsministerium (aber welche Branche macht das nicht?)
Fachzeitschriften: Experten machen Ghostwriting für die Pharmaindustrie und lancieren Therapien oder Medikamente.
Publikumsmedien: Kampagnen für ein positives Medienumfeld einer Therapie oder eines Medikaments
Selbsthilfegruppen: Hängen vielfach am finanziellen Tropf von Big Pharma. Damit gewinnt die Pharmaindustrie die glaubwürdigsten Fürsprecher. Dass für einen Wirkstoff eine eigene Krankheit erfunden wird, waren wir ja schon gewohnt. Dass die Industrie die Selbsthilfegruppe gleich mitgründet, ist neu, etwa im Fall von der Firma Hoffmann-La Roche, die über eine Agentur schon mal eine Website aufgelegt hat http://www.leben-mit-darmkrebs.de , wie Martina Keller in der ZEIT (19.5.2005) beschreibt.

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