Immer eins zu früh gefreut

Bei aller Euphorie oder allem Erschrecken über den Klonerfolg des südkoreanischen Forschungsteams um Woo Suk Hwang und Shin Yong Moon von der Seoul National University; und auf die Gefahr hin als Miesepeter gebannt zu werden: Die Welt freut sich eigentlich immer eins zu früh über solche Errungenschaften.

Der wissenschaftliche Erfolg ist erst komplett, wenn die „Richtigkeit durch Überprüfung bestätigt ist“ (Duden-Erklärung für verifizieren). Das Laborprotokoll (fachmännisch für die richtigen methodischen Schritte in der richtigen Reihenfolge) muss sich erst noch beweisen, indem es durch eine andere Arbeitsgruppe erfolgreich wiederholt wird (Jan Hendrik Schön lassen wir jetzt mal weg).

Das Verifizieren wird sicher bald passieren, nur dann ist der Schampus schon leer, und es ist wieder nur ein großer kleiner Schritt auf dem Weg zum therapeutischen Klonen.

Für die, die den Erfolg bedauern: Es gibt wohl noch mehr Hürden zu nehmen, an denen alles scheitern kann, als bisher genommen wurden.
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Der seltsame Dr. Rath

Zwischendurch mal ein kurzer Hinweis auf einen Artikel von Bartholomäos Grill in der Zeit über den seltsamen Dr. Rath.

Das ist derjenige, welcher glaubt, mit Vitaminen Krebs heilen zu können und überzeugt ist, dass das "Pharmakartell den 3. Weltkrieg beginnt, um den Aufbau einer gesunden Welt zu verhindern".

Ein etwas älterer Artikel soll das Bild komplettieren. Und wer es partout nicht lassen kann, sollte dann auch mal einen Blick auf eine von Dr. Raths Webseiten werfen.

Warnung: Die Texte auf Dr. Raths Seite richten sich nicht an NutzerInnen der Republik Österreich. Im separaten Online-Shop dürfen sie aber schon einkaufen.

Na dann, Alarmstufe rot.
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Plazebos für uns schreibende Zunft

Journalisten sind genau wie alle anderen nicht vor Plazebos gefeit. In diesem Fall sind es „große medizinische Studien“, die in „renommierten Fachmagazinen“ wie The Lancet, The New England Journal of Medicine oder JAMA veröffentlicht werden.

Sie bieten uns offenbar immer häufiger nicht das, was wir so gerne verabreicht bekommen: Die Wahrheit über die Wirksamkeit eines Wirkstoffs oder Medikaments. Das sagt Richard Smith in einem Artikel, der einem ein bisschen den Glauben an renommierte medizinische Fachzeitschriften nehmen kann (jetzt nicht gleich verzagen).

Smith muss ja wissen, wo von er spricht. Er war 25 Jahre Redakteur beim British Medical Journal (BMJ) und hat sich 13 Jahre davon auch um die „profits“ der gesamten Verlagsgruppe gekümmert. Sein düsteres Fazit dieser Zeit: Medizinische Fachzeitschriften sind inzwischen der verlängerte Marketing-Arm der Pharmafirmen.

Pharmafirmen wissen, welche Überzeugungskraft ein positives Ergebnis einer großen, gut angelegten Studie hat. Und das Geld und das Know how dafür haben sie auch, schreibt Smith im frei zugänglichen Fachmagazin PloS Medicine. Wenn Pharmariesen Millionen von Dollar ausgeben, dann soll es sich auch lohnen. Untersuchungen zeigen, dass die Mehrheit der Firmen finanzierten Studien zugunsten des Geldgebers ausfallen, also die Wirksamkeit eines Medikaments belegen.

Wie das gelingt? „Nicht etwa durch Manipulation und Fälschung, das wäre zu plump und könnte auffliegen“, schreibt Smith. „Sie stellen die ‚richtigen’ Fragen.“ Smith liefert auch gleich eine Liste der Methoden, wie man durch die ‚richtigen’ Fragen die richtigen, positiven Antworten erhält.

Beispiel: „Lege deine Studie multizentrisch an, und suche dir das Ergebnis aus, das dir am besten passt.“ Angenehmer Nebeneffekt: Gibt es mehrere positive Studien, kannst Du Sie gleich in mehreren Magazinen veröffentlichen.

Smiths Folgerung: Erstens sollten viel mehr Studien mit öffentlichen Geldern bezahlt werden. Und: „Fachmagazine sollten die Studien nicht veröffentlichen, sondern kritisch über sie berichten.“

Wie gesagt: Nicht verzagen.
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Plazebos für Mediziner

Das ist ja auch was: Plazebos für Mediziner. Es sieht aus wie ein wissenschaftlicher Fachartikel, es liest sich wie ein wissenschaftlicher Fachartikel und der Text wird in einem wissenschaftlichen Fachmagazin veröffentlicht. Doch es ist kein wissenschaftlicher Fachartikel. Es ist ein Fake. Grund: Der Autor ist nicht wirklich der Autor.

Wie viele es dieser Ghostwriter-Artikel in Fachzeitschriften gibt, kann niemand sagen. Pharmafirmen wie GlaxoSmithCline und AstraZeneca bestritten diese unsägliche Praxis kürzlich vor einem britischen Ausschuss: Ein Artikel wird komplett vorgefertigt und dann bittet man einen unverdächtigen Wissenschaftler, ob man dessen Namen für die Autorenschaft ausleihen dürfe. No, Sir, we don´t do this.

Dank Adriane Fugh-Berman wissen wir es jetzt besser. Die Fachfrau für Alternative Medizin von der Georgetown University School of Medicine wurde von einer PR-Firma angezapft, mit der Bitte, ihren guten Namen herzugeben für einen Artikel, der von AstraZeneca gesponsort wurde. Sie hat abgelehnt. Und ihre Story kürzlich im britischen Guardian veröffentlicht. Sie weiß eben: Plazebos wirken nur bedingt.

Ein Hoch auf Frau Fugh-Berman.
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Für den Einstieg: Aufrüsten!

Im Kampf für Transparenz und Wissenschaftlichkeit als brauchbare Methode, um die Welt zu erklären, ist es ganz gut, wenn man sich mit intellektuellen Waffen rüstet, die einem helfen, die Tricks und Kniffe des Gegners zu entblößen. Deshalb an dieser Stelle aus aktuellem Anlass erst einmal ein Hinweis auf einen Text, der einem weiter hilft.

Er schärft die Gedanken für statistische Angaben zu Erfolgsquoten, etwa einer medizinischen Therapie, und offenbart, wie Mediziner und Pharmafirmen mit Zahlentricks Zusammenhänge verzerren.

Der Text stammt von dem nicht nur von mir sehr geschätzten Medizinjournalisten Klaus Koch, veröffentlicht in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins der Süddeutschen Zeitung "SZ Wissen".

Auch wenn es um Zahlen und Statistiken geht: keine Angst! Es ist viel einfacher als man denkt, und wenn man es gefressen hat, fühlt man sich stärker.

Wer dann noch mehr wissen will, sollte das Buch Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken von Gerd Gigerenzer lesen. Es ist eines der Bücher, die einem die Augen öffnen. Zumindest war es bei mir so.

Auf in den Kampf.
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Google Ranking Zero Hits

Beste Voraussetzungen für ein neues Projekt: Plazeboalarm hat mit heutigem Datum genau 0 Hits bei Google. Alles weitere geht also von uns aus :-))
Glücksgriff: nicht jeder Name kann da bei Null anfangen.
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aktualisiert: 12. Dez, 12:22
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