Emsal 1: Was ist daran eigentlich so nanotech?

Alarmstufe Gelb  Wir erwähnten es bereits: Plazeboalarm verweist nicht nur auf andere Artikel, wir fragen auch selbst nach, wenn uns jemand wissenschaftlich kommt. In diesem Fall bei der Firma Werner & Mertz GmbH in Mainz.

Ihren Bodenreiniger kennt jeder: emsal. Seit neuestem bewirbt sie ihre Reiniger für Parkett- und Laminatböden mit der ‚innovativen Imprägnierformel mit NANO-tec’. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen.

Frage an die Presseabteilung: Was ist denn am emsal-Bodenreiniger eigentlich so nanotech? Antwort der freundlichen Frau Schenz von der Unternehmenskommunikation: Ein anderthalbseitiges Word-Dokument, in der auf einer dreiviertel Seite der Begriff Nanotechnologie erklärt wird.

Zum Bodenreiniger leider nur ein wirklich stichhaltiger Hinweis: „NANO-tec von emsal ist eine spezielle Nässe-Schutz-Formulierung aus kleinsten hochwirksamen Imprägnierpartikeln, die Holzböden vor Aufquellungen durch zu viel Nässe schützen.“

Das war uns ein wenig zu wenig. Wir wollten das schon genauer wissen: Wie groß sind denn diese Teilchen? Aus welchem Material bestehen sie denn? Durch welchen physikalischen oder chemischen Effekt imprägnieren die denn? Wie viel besser ist denn der Reiniger durch nanotec geworden? Liebe Frau Schenz, stillen Sie unsere Neugier! Antwort Frau Schenz: „Tut uns leid, Betriebsgeheimnis.“

Betriebsgeheimnis?! Da müssen wir aber nachhaken. Könnte das nicht gefährlich sein, diese winzigen Teilchen dieser neuen Technologie, die erst im Anfangsstadium steckt? Wer sich auf eine neue Technologie einlässt, trägt eine besondere Verantwortung. Oder ist es am Ende doch nur ein Marketingtrick?

Demnächst mehr, hier bei Plazeboalarm.

Alarmstufe Gelb  Bis dahin: Alarmstufe Gelb.
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Ab wann ist ein Risiko eine Gefahr?

Strom, der (vielleicht) krank macht. Das ist auch eines dieser Themen, die wohl nie restlos geklärt werden.

Anlässlich einer Studie im British Medical Journal über Kinder, die in der Nähe von Hochspannungsmasten leben und an Leukämie erkranken, verweisen wir auf zwei erhellende Artikel über unser Verhältnis zu Risiken und über die Grenzen wissenschaftlicher Nachweisbarkeit; einmal im englischen spiked und einmal in der SZ. Der Kommentar im BMJ ist ebenfalls lesenswert.

Was deutlich wird: In diesen Bereichen ist das Risiko einer Erkrankung so gering, dass die Effekte kaum noch zweifelsfrei nachzuweisen und von anderen Einflussfaktoren zu trennen sind. Wäre es so eindeutig wie beim Thema ‚Rauchen und Krebs’, gäbe es keine Diskussion.

Rein rechnerisch sind von den insgesamt sechshundert Kindern, die jährlich an Leukämie in Deutschland erkranken, sechs auf elektrische Felder von Hochspannungsleitungen zurückzuführen (wenn der Zusammenhang tatsächlich besteht, was nicht sicher ist). Spätestens jetzt rutscht die Diskussion an einen Punkt, den empfindlichere Zeitgenossen als zynisch empfinden werden.

Ab wie vielen Krankheitsfällen sollte man intervenieren? Sind zwei von sechshundert zu wenig, um ein Gesetz zu erlassen, das eine Sicherheitszone unter Strommasten festlegt. Oder reicht einfach der Rat, nicht dauerhaft in deren Nähe zu leben? Oder müssen es schon zehn von sechshundert sein? Sechzig von sechshundert?

Aus der Sicht betroffener Eltern, ist jedes erkrankte Kind eines zu viel. Aber ab wann ist ein Risiko so groß, dass eine Gesellschaft sich angesprochen fühlen muss, um den Einzelnen durch Maßnahmen davor zu schützen?

Und ab wann ist ein Risiko ein Risiko, über das ich mir Gedanken machen muss?

Die Debatte ist eröffnet: Wir bitten um Vorschläge.
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See, think, test

Wie sollten Naturwissenschaftler arbeiten? Nicht so wie das Drittel der Forscher, das anonym die täglichen kleinen methodischen Vergehen in einer Umfrage zugegeben hat, und über die das Fachmagazin Nature berichtete (deutsche Zusammenfassung hier).

Ein Geisteswissenschaftler namens Douglas Noel Adams, einst Absolvent in Englischer Literatur und später Autor der Reihe Per Anhalter durch die Galaxis, hatte ein durchaus ernstes Verhältnis zur Arbeit von Forschern.

Im vierten Band ‚Macht´s gut und danke für den Fisch’ erinnert Adams die Mitglieder der Zunft daran, wie sie arbeiten sollten; und zwar mit der denkbar kürzesten Anleitungen, die es für Wissenschaftler gibt. Sie ist so kurz, dass man sie problemlos an jeden Computerbildschirm kleben kann (was wir hiermit empfehlen).

Ein gewisser John Watson, genannt Wonko der Verständige, beschreibt die Methode der Wissenschaftler im vierten Band wie folgt: „See first, think later, then test.“ (Etwa: Erst beobachten, später darüber nachdenken, dann überprüfen.) Zuerst zu beobachten, sei besonders wichtig, weil man sonst nur das sähe, was man erwarte.

„Die meisten Wissenschaftler vergessen das“, sagt Wonko.
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Die Welt ist nicht schwarz und weiß

Zwischen dem täglichen Stress ein Hinweis, der uns wichtig ist. Die ‚Schwarze-sind-von-Natur-aus-blöder-als-Weiße-Debatte’ gärt seit einiger Zeit wieder vor sich hin. Neuer Anheizer ist ein Buch des Anthropologen Vincent Sarich und des Psychologen Frank Miele (bemerkenswerterweise auch Autor des Magazins Sceptic, der Sceptic Society): Race. The Reality of Human Difference. Dazu gab es vor ein paar Wochen eine Buchkritik auf sueddeutsche.de.

„Der nachgewiesene durchschnittliche Intelligenzquotient der 'subsaharanischen' Rasse betrage ziemlich konstant 70 Punkte“ fasst Burkhard Müller eine Aussage von Sarich und Miele zusammen. Anmerkung von Müller: „Ein IQ von 70 signalisiert Grenzdebilität; wer ihn aufweist, verfügt kaum noch über die Fähigkeit, sein Leben selbständig zu gestalten.“ Volltreffer.

Ergänzender Gedanke: Warum wird das Thema eigentlich immer wieder von weißen Wissenschaftlern aufgegriffen? Und der Hinweis eines Biologen: Biologen streiten sich schon Ewigkeiten über Begriffe wie Art, Unterart und Rasse. So ganz klar ist das alles nicht, wie man zum Thema Rasse hier, hier und hier nachlesen kann. (alles in englisch).

Und komm´ mir nur keiner mit political correctness. Die Welt war nie nur schwarz und weiß.
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Der Moment, wenn Dr. Bob sagt …

Nicht, dass jemand denkt, auf Plazeboalarm verwiesen wir nur auf die Geschichten anderer. Und es ginge ausschließlich um den Unsinn in der Medizin und den Einfluss der Pharmabranche. Nein.

Wir haben uns die ganze weite Welt als Ziel erkoren. Und wir werden selbst recherchieren und gemäß unserer Beschreibung in Wir unser Ziel verfolgen.

Also seid gespannt auf den Moment, wenn Dr. Bob sagt: „Was ist an den neuen Bodenreinigern von emsal eigentlich so nanotech?“
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‚Don´t panic’ sei dank

Irgendwie hatten wir ein komisches Gefühl bei dieser
Nummer: Landmenschen hätten ein höheres Kopftumorenrisiko durch Handystrahlung als Stadtmenschen. Aber ´ne Menge Medien haben die Nummer gebracht.

Das Eigenartige daran: Die Studie (pdf, Englisch) differenziert schon ein Ergebnis (Handystrahlung löst beim Menschen Krebs aus), dass so (Handystrahlung löst tatsächlich beim Menschen Krebs aus) eigentlich noch keiner eindeutig formuliert hat.

Alle bisherigen großen Studien konnten den Zusammenhang (noch) nicht nachweisen oder blieben schwammig. Das Team um Lennart Hardell vom University Hospital im schwedischen Orebro fand laut Presse in seiner Studie aber sogar feine Unterschiede im Risiko seltener Hirntumoren: und zwar zwischen Stadt- und Landmensch (sind das eigentlich zwei Unterarten oder Rassen von Homo sapiens?).

Wie gesagt. Ein komisches Gefühl hatten wir, aber zu mehr hat es nicht gereicht. Zum Glück gibt es Gleichgesinnte, die dann doch mal genauer hinsehen. In diesem Fall die Kollegen vom englischen Spiked.

In ihrer Rubrik ‚Don´t panic’ nehmen sie Lennart und vor allem die gesamte Journaille auseinander: Lennart sage selbst, die Stichprobe von 1400 Personen sei zu klein für eindeutige Aussagen und der Handyeffekt auf das Tumorisiko bei den „Stadtmenschen“ sei nicht mal statistisch signifikant. Doch das hat keiner berichtet. Klar, so betrachtet ist es nämlich gar keine Meldung.

Wir bleiben trotzdem wachsam, Handyindustrie. Verweisen auf eine fast zeitgleich herausgebrachte Studie des Forschungszentrums Jülich, die den Verdacht nicht erhärtet, der Mobilfunk hätte negative gesundheitliche Auswirkungen. Nur ist diese Studie von T-Mobile gesponsert. Zu blöd aber auch.

Spiked: Danke für den Fisch!
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„Es fehlen nur die Kirchen“

Die Pharmabranche bekommt es gerade ganz schön dicke. Erst schreibt die ehemalige Chefredakteurin des New England Journal of Medicine Marcia Angell ein Insiderbuch über die Arzneimittelhersteller. Dann lässt sich Richard Smith, Ex-BMJ-Redakteur, über die Branche aus.

Jetzt erfahren wir, dass sich ein ganzer Ausschuss des britischen Unterhauses mit dem „Einfluss der Pharmabranche“ befasst hat. Politisch korrekt weist der natürlich auch auf die positiven Seiten hin (wie überstände ich sonst auch den Sommer, ohne Heuschnupfenmittel?).

Das Hauptthema ist indes die Schattenseite: Der Ausschuss kritisiert den „massiven Einfluss“ und das „Potenzial zur Verzerrung“. Ergebnis ist das, was man unter dem Stichwort „Medikalisierung der Gesellschaft“ zusammenfasst. Jeder Pups wird zur Krankheit erklärt.

Es lohnt sich, den Bericht im Original zu lesen (Englisch), aber auch die Zusammenfassung in zwei Teilen mit entsprechenden deutschen Beispielen aus der Süddeutschen Zeitung, bereitgestellt auf Klaus Kochs Seite evibase.

Schönster Satz zum Einfluss der Pillendreher: „Es fehlen nur die Kirchen“.
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