Und übrigens: Dass wir beim Preisbloggen

der ZEIT unter den Top-15 in der Kategorie "Wissen" landeten, hat uns gefreut und spornt uns an. Gewinner ist übrigens fscklog - mac tales of interest.
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Currywurst auf Rezept

Du glaubst es nicht. Kürzlich verwiesen wir noch auf einen Artikel in der Süddeutschen, in dem erklärt wird, was von Überschriften wie Currywurst schützt vor Alzheimer zu halten ist. Da pflastert der Kölner Express heute die Republik mit dem Titel: Currywurst schützt vor Krebs (Leider nicht online).

Ergo: Express-Redakteure lesen keine Süddeutsche Zeitung (und keinen Plazeboalarm). Und Sie verfahren bei ihrer Geschichte nach dem bekannten Muster. Natürlich hatte niemand Currywurst sechs Monate an Krebskranke verfüttert. Nicht mal an Ratten.

Es wird lediglich auf eine Untersuchung der Uni Texas verwiesen: Dank des Inhaltsstoffes Curcumin im Currypulver starben Krebszellen in der Petrischale. Auch der alte bekannte Alzheimerschutz taucht im Artikel auf.

Und da Curry bekanntlich eine Gewürzmischung ist, gibt es folglich auch noch eine ganze Reihe anderer Krankheiten, gegen die es schützen soll: Infarkt, Darmträgheit, Infekte, Blähungen, Krämpfe, Müdigkeit, Depressionen, hohe Cholesterinwerte.

Warum nicht gleich Currywurst auf Rezept für Krebskranke?

Das wäre mal ein Aufmacher.
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Giftwolken steuern auf Erde zu

Apropos Unsinn. Da müssen wir einfach drauf
hinweisen, wie Bildblog die Berichterstattung von BILD über Deep Impact und Tempel 1 auseinander nimmt.

„Giftwolke unterwegs durchs All. … Forscher fürchten Bakterien und rätselhafte Substanzen.“

Viel Vergnügen.
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Greenpeace und die Gen-Milch

Manchmal führen einen Begriffe auf eine falsche Fährte. Beispiel Gen-Milch. Greenpeace darf Müllers Milch weiterhin so nennen (Müller geht jedoch in Revision). Aber was bedeutet eigentlich der Begriff Gen-Milch?

Irgendwie hat sich eingebürgert, alles, was genetisch verändert wurde, als Gen-XY zu bezeichnen: Gen-Soja, Gen-Mais und eben Gen-Milch. Aber stopp, denn da liegt der Hase im Pfeffer. Wurde denn die Milch der Müllers genetisch verändert (so wie das Soja oder der Mais)? Oder wenigstens die Kühe? No, Sir.

Wir haben bei Greenpeace nachgefragt: Ulrike Brendel, von der Agriculture Campaign, gab uns eine ausführliche Antwort. Zur Namensgebung schrieb sie uns folgendes:

„Greenpeace bezeichnet alle Produkte, bei deren Herstellung Gen-Pflanzen verwendet wurden als Gen-Food, bzw. im Falle der Müllermilch als Gen-Milch. Dabei geht es nicht um die Nachweisbarkeit von genmanipulierter DNS im Endprodukt.“

Der letzte Satz ist uns wichtig: Die Milch heißt zwar Gen-Milch, wurde aber gar nicht verändert, anders als etwa Gen-Soja und Gen-Mais. (Lediglich) die Kühe wurden mit genetisch verändertem Soja gefüttert, was laut Greenpeace inzwischen Usus ist in der Landwirtschaft.

An Milch gibt es auch eigentlich nichts genetisch zu verändern, sie könnte lediglich Euterzellen der Kuh enthalten, die genetisch verändert wurden (was immer das auch für Folgen haben mag).

Ob die ganze Gentechnologie nun gut oder schlecht oder sowohl als auch ist, darum geht es uns hier nicht. Wir halten aber fest: Das 'Gen-' in Gen-Milch hat eine andere Bedeutung als das 'Gen-' in Gen-Soja. Nur, dass das mal gesagt ist.

Die Frage, ob in Milch überhaupt irgendetwas von den gentechnologisch veränderten Futtermitteln in die Milch gelangt, klären wir gerade.

Demnächst mehr, hier bei Plazeboalarm.
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Gestörte Harmonie des Weltalls

Müssen jetzt eigentlich all die langfristigen Horoskope diverser Astrologen neu erstellt werden, weil der Deep Impact Beschuss der NASA den Kometen Tempel 1 aus der Bahn geworfen hat?

Eine russische Astrologin beklagt, dass dies „die Harmonie im Weltall stört.“

Hat auch sein Gutes für die Zunft: Bei den diversen Fehlprognosen kann man sich als Astrologe jetzt darauf berufen: „Och, wissen Sie, die Vorhersage habe ich noch vor Tempel 1 gemacht. Seitdem entwickelt sich ja alles anders.“

Nein, Astrologen, bitte nicht melden.
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Die Heilkraft der Currywurst

Was von Berichten wie „Bier hilft gegen Parkinson“ oder „Currywurst schützt vor Alzheimer“ zu halten ist, beschreibt Christina Berndt in der SZ.

Sie erklärt sehr schön, warum davon nichts zu halten ist.

Erstens: Es sind meist Untersuchungen an Ratten und Mäusen, an denen ein bestimmter Stoff in hohen Dosen getestet wurde. Zu deutsch: Niemand hat Currywurst an Menschen verfüttert und dann zwanzig Jahre später untersucht, ob diese dann Alzheimer bekommen haben oder nicht.

Zweitens: Forscher verstehen die komplizierten Zusammenhänge von Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer nur sehr begrenzt. Selbst die menschliche Physiologie und ihr Metabolismus ist noch nicht bis ins Detail geklärt.

Drittens: Gibt es doch mal eine Untersuchung an ‚echten Menschen’ finden Wissenschaftler schlicht deshalb Unterschiede, weil die Personen, bei denen eine Besserung zu finden ist, grundsätzlich gesünder leben. Dann wird es einfach schwer, den einen Effekt vom anderen zu trennen (manch einer bemüht sich auch erst gar nicht).

Also, trifft der geneigte Leser demnächst auf eine Überschrift wie: „Schnitzel schützt vor Schleimbeutelentzündung“, dann weiß er schon wie der Artikel weiter geht:

Forscher haben den auch in Schnitzel vorkommenden Stoff XY täglich an zwanzig Ratten verfüttert. Nach sieben Monaten hatten nur drei eine Schleimbeutel-Entzündung …

Meist enden diese Forschungs-Artikel im Original auch mit: „Further research is needed.“ (Wir müssen weiter forschen, um den Effekt tatsächlich zu belegen.)

Was das ganze mit Vitaminen zu tun hat, auf die Christina Berndt auch eingeht, werden wir demnächst mal genauer erklären, in unserer beliebten Promiecke – wir sagen nur: Vitamin C und E adé.

So long.
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Alpecin 2: Das Marketing war schneller

Was bisher geschah.

Alpecin mit Coffein soll den hartnäckigen anlagebedingten Haarausfall verlangsamen.

Alarmstufe Gelb  Upps, da war die Marketingabteilung der Dr. Kurt Wolff GmbH & Co. KG in Bielefeld doch schneller als die Forschungsabteilung.

Der Text zum Haarwaschmittel Alpecin mit Coffein erweckte ein wenig den Eindruck, als ob die wissenschaftlichen Studien eigentlich ein alter Hut sind. („Wie man aus früheren Studien der Universität Jena weiß …“ „Neue Studien der Berliner Universitätsklinik Charite belegen …“).

Dr. Adolf Klenk, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, konnte uns aber auf unsere Anfrage leider keine der Studien schicken – weil noch gar nichts veröffentlicht ist. Die Jena-Studie sei erst vom letzten Jahr ('inzwischen bei einem Magazin eingereicht'), die Charité-Studie von diesem Jahr ('wird gerade verfasst').

Da vermittelt der Text einen etwas anderen Eindruck, lieber Herr Dr. Klenk. Gibt er auch zu: „Zugegebenermaßen könnte man aus dem Wortlaut [auch] ableiten, dass diese Untersuchungen schon vor vielen Jahren erfolgt sind. Das ist jedoch nicht der Fall.“ Blöd aber auch.

Er werde unseren Einwand an die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit weitergeben, „damit der Text künftig unmissverständlich zu lesen ist.“ Sehr freundlich. Wir harren der Dinge und werfen regelmäßig einen Blick auf die Seite.

Bleibt die Frage, ob Alpecin mit Coffein tatsächlich gegen Haarausfall wirkt. Ohne einen Blick auf die Studien-Ergebnisse, kann man das natürlich nur schlecht beurteilen.

Wir glauben ja nicht alles, was in Werbetexten steht.

Alarmstufe Gelb  Deshalb weiterhin: Alarmstufe Gelb.

Wir bleiben dran.
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