Nachtrag zum Homöopathie-Abschuss

Wir wollen kurz noch auf den Bad Science-Artikel von Ben Goldacre im Guardian hinweisen. (Anlass: Homöopathie ist so gut wie ein Scheinmedikament, siehe einen Beitrag tiefer).

Er nutzt die Gelegenheit seine Begeisterung für Placebos in der Medizin zum Ausdruck zu bringen.

Dem schließen wir uns hochachtungsvoll an. Ein Smiley ist hier ausnahmsweise mal angebracht :-)
...........................................................................................

Homöopathie: Treffer, versenkt

Wichtig! Folgenden Hinweis sollten Sie nicht lesen, wenn Sie glauben, dass eine homöopathische Therapie Ihnen helfen kann oder geholfen hat (die Betonung liegt auf glauben). Alle anderen: Bitte weiter lesen.

Komm, schnell zwischendurch den Hinweis auf den Abschuss der Homöopathie im Fachmagazin The Lancet vom Wochenende. Übersichtlich zusammengefasst in einem sueddeutsche.de/dpa-Artikel.

Ein für alle mal: Homöopathie ist so gut oder so schlecht wie ein Placebo/Scheinmedikament. Aber genau weil das so ist, berichten eben immer wieder Menschen: „Also bei mir hat´s geholfen.“ Und es geht ihnen besser!

Obwohl seit so vielen Jahren eigentlich fast immer nur negative Ergebnisse über die Homöopathie zu vermelden waren – ja WHO, ihr habt euch geirrt, wir haben das vermerkt (siehe SZ-Bericht) – scheinen immer mehr Menschen zum Homöopathen zu rennen. Ein klares Zeichen dafür, dass die Menschen bei vielen Schulmedizinern etwas nicht bekommen: Zuwendung.

Und ein klassischer Fall von: Recht haben (die Schulmedizin), und doch nicht geliebt werden.

Deshalb an die Schulmediziner: Nehmt Euch endlich Zeit für Eure Patienten, dann klappts auch mit der Liebe.

Und an die Homöopathie-Patienten: Wir sagten, Sie sollten nicht weiter lesen. Und was machen Sie jetzt? Nicht uns die Schuld geben.

Tut uns leid, ehrlich.

Aber vielleicht geht es ja wirklich viel mehr um Zuwendung als alle bisher angenommen hatten?

Dank an Marc Wickel von Curious Creatures für´s Anstoßen.
...........................................................................................

Instanzendilemma

Wer sich über Medikamente und Therapien informieren will, muss erstmal die Spreu vom Weizen trennen: Welche Informationsquellen sind nicht von Pharmafirmen unterwandert? Es braucht einige Übung, aber mit der Zeit finden sich ein paar. (Wir werden in einem späteren Beitrag mal darauf eingehen, wie man die findet.)

Irgendwann landet man auch bei folgenden zwei unabhängigen und verlässlichen Quellen: Der Cochrane Library und dem arznei-telegramm. Der Rat suchende ist im Allgemeinen so froh, diese beiden zu kennen, dass er sie als letzte Instanzen betrachtet. „Wenn die das sagen, stimmt das auch. Für die leg´ ich meine Hand ins Feuer." Ja, wir auch.

Dass man damit auch auf der Nase landen kann, stellten wir kürzlich fest. Wie das? Seht selbst.

Wer endgültig etwas gegen seinen Heuschnupfen tun möchte, dem bleibt eigentlich nur die so genannte subkutane Hyposensibilisierung: Drei Jahre lang im Herbst/Winter jede Woche eine Spritze mit dem Allergen verpassen lassen (auf die Gefahr hin, dass es nicht klappt).

Eine (recht neue) Alternative könnte die sublinguale Hyposensibilisierung sein: Statt Spritze bekommt man ein Bonbon, das unter der Zunge zergeht. Und? Wirkt es? Wie ist die Studienlage? Mal sehen was Cochrane schreibt.

„Symptome werden gelindert“. Na, das hört sich doch gut an. Ob es besser oder schlechter wirkt als die Spritzentherapie, können die Gutachter mangels Vergleichsstudien nicht sagen. Na gut, Hauptsache es wirkt.

Und was schreibt das arznei-telegramm in seiner aktuellen Ausgabe (leider nur für Abonnenten)? Es gebe keine methodisch guten Studien, die eine Wirksamkeit belegen. Ergo: „Wir raten ab.“

Verdammt. Und jetzt?

Was macht man, wenn die letzten Instanzen sich widersprechen?
...........................................................................................

Ein Krümmel Strahlung

Die Diskussion um Leukämieerkrankungen durch elektrische Felder in der Nähe von Hochspannungsmasten brachte uns die Erkenntnis, dass es wirklich schwierig ist, kleine Risiken durch wissenschaftliche Methoden vom Zufall zu unterscheiden.

Eine Geschichte, die das an einem ganz konkreten Fall konzentriert, sind die Leukämiefälle in der Umgebung des Kernkraftwerkes Krümmel.

Im Deutschlandfunk hat dies Dagmar Röhrlich in einem eindrucksvollen Feature zusammengefasst. In welche Richtung ihr Beitrag zielt, sagt schon der Untertitel: Die vergebliche Suche nach einer Antwort.

Ein unklarer Fall, der zeigt, wo Wissenschaft an seine Grenzen kommt, nicht nur aus rein methodischen Gründen, sondern auch, weil Wissenschaftler nur Menschen sind.

Das Manuskript findet sich hier, ein mp3-Stream hier, die Flash-Version hier.
...........................................................................................

Guter Rat Nr. 1

Rechnen Sie damit, dass der Zufall weit häufiger seine Finger im Spiel hat als Sie bisher angenommen hatten.

Ernsthaft.
...........................................................................................

Alpecin 3: Wer dran glaubt …

Was bisher geschah.

Alpecin mit Coffein soll den hartnäckigen anlagebedingten Haarausfall verlangsamen.

Alarmstufe Rot!  Joe: Du, Jack.
Jack: Ja, Joe.
Joe: Sag mal, wie findest Du denn dieses Alpecin Coffein Shampoo C1?
Jack: Nicht gut, Joe

Joe: Warum denn nicht, Jack
Jack: Weil sie sagen, damit kann man erblich bedingten Haarausfall stoppen.

Joe: Aber das ist doch gut, Jack?
Jack: Ja Joe, nur, sie haben das ja noch gar nicht getestet?

Joe: Aber Jack, es gibt doch wissenschaftliche Studien der Uni Jena und der Charité in Berlin? Und ein Professor Elsner sagt, dass es wirkt.
Jack: Ja, Joe, ist so. Auf der Webseite klingt das auch so, als ob das alles ein alter Hut ist, aber die Untersuchungen sind noch gar nicht veröffentlicht, vielleicht finden die Gutachter die Studien gar nicht so gut. Außerdem haben die Wissenschaftler die Studien im Auftrag der Firma erstellt, das heißt, es sind keine unabhängigen Studien.

Joe: Oh, das ist blöd, Jack.
Jack: Ja, Joe. Und der Professor sagt auch nur, dass es unter Laborbedingungen wirkt.

Joe: Stimmt ja, Jack.
Jack: Das Haarwaschmittel wurde gar nicht an Personen getestet, sondern Coffein wurde auf Kopfhautmodelle gegeben. Und es wurde auch nur gezeigt, dass Coffein bis zur Haarwurzel vordringt, und da verbleibt. Ob dein Onkel aber nach einem Jahr Haarwäsche mit Alpecin weniger Haare verliert, das hat keiner richtig getestet, so mit Kontrollgruppe und richtig vielen Personen, zufällig ausgewählt und all das, was eine gute wissenschaftliche Studie ausmacht.

Joe: Oh, das ist blöd, Jack.
Jack: Ja, Joe, das ist blöd.

Joe: Jack?
Jack: Ja, Joe?
Joe: Aber woher wissen sie dann, dass das Mittel wirkt?
Jack: Ich weiß auch nicht, Joe, aber ich vermute, sie glauben einfach fest daran. Ist ja schließlich ihr Produkt.

Joe: Und jetzt, Jack?
Jack: Ist doch klar, Joe, oder?
Joe: Wenn Du es sagst, Jack?

Alarmstufe Rot!  Jack und Joe: PLAZEBOALARM !!!
...........................................................................................

Gott: Das ID-Ding

Es hat etwas verlockendes, Darwins Evolutionstheorie anzugreifen: Sie ist im Kern eine erschreckend unromantische und unpersönliche Erklärung dafür, wie all das Leben auf der Erde entstand. Und lückenhaft dazu.

Einzige Zutaten für die Evolution von Gänseblümchen, Mistkäfer und Homo sapiens sind: eine Menge Zufall, eine Menge Zeit und Lebensumstände, die für eine Auswahl aus dem sorgen, was da ist. Schließlich baut eins aufs andere auf, Schritt für Schritt.

Dass das manchem gerade zu unmöglich erscheint, kann man verstehen. Eine Hand ist so komplex und perfekt, als ob sie jemand extra zu diesem Zweck entworfen hätte. Ein Auge, der Mensch überhaupt, jedes Tier, selbst ein Bakterium erscheint so aufwändig, dass es nicht ganz von selbst evolutionär entstanden sein kann. Da muss doch jemand seine Finger im Spiel gehabt haben.

Genau das glauben die Vertreter des Intelligent Design (ID, ihre Zentrale findet sich hier). Sie sind so zu sagen verkappte Kreationisten (das sind die, die die Bibel ziemlich wörtlich nehmen).

Verkappt deshalb, weil sie zwar sagen: All das Leben ist so verdammt komplex, es muss ein omnipotenter Designer seine Hand angelegt haben. Sie trauen sich aber nicht, das Ding auch beim Namen zu nennen, so wie es die bibelfesten Kreationisten tun: Der Designer ist (ein) Gott. Außerdem machen ID-Vertreter ein ziemliches Brimborium um die angebliche Wissenschaftlichkeit ihrer These.

Wer die Begriffe Intelligent Design oder Kreationismus nicht richtig einordnen kann („Hört sich aber doch nicht ganz falsch an, oder sollte ich da die Finger von lassen? “), dem sei der Vergleich im Editorial des New Scientist zur Orientierung ans Herz gelegt (frei übersetzt): „ID als echte Alternative zur Evolutionstheorie in der Schule zu lehren, ist etwa so, als wollte man Astrologie und Astronomie vergleichen.“

Die Amis würden sagen: „It´s bullshit.“

Stimmt.

Ach so: Mehr zu lesen gibt es dazu in einer Serie der Süddeutschen Zeitung (leider nur ein Artikel freigeschaltet), alternativ dazu in der Zeit (aktuell und von 2003), im aktuellen New Scientist (leider nur Anreißer zum Artikel) und im New Yorker.
...........................................................................................

Status

Online seit 7426 Tagen
aktualisiert: 12. Dez, 12:22
... login

Suche

 

Aktuelle Beiträge

Diskreditierung
Warum die Studie eines Mannes schlecht sein soll, weil...
Edwar Wait - 12. Dez, 12:21
Na, wo ist die Kritik?...
Mir liegt die Studie aus dem Jahr 2003 ebenfalls vor,...
Edwar Wait - 12. Dez, 12:10
Sollen wir den Saft kaufen...
BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon...
marcus_ 6. Nov, 13:53
Sollen wir den Saft kaufen...
BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon...
marcus_ 6. Nov, 13:51
Der Saft, der uns die...
BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon...
marcus_ 6. Nov, 13:50
Cellagon 2: Eine Studie...
BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon...
marcus_ 6. Nov, 13:45
Wie Placebo wirklich...
Mit Gruß tom-ate
tom-ate - 21. Apr, 21:45

Credits