Mein Kind ist das Beste, Schönste, Tollste

Dass Studien, die von Pharmafirmen gesponsert werden, mit Vorsicht zu genießen sind, zumal, wenn es um die eigenen Produkte geht, darauf haben wir oft genug hingewiesen.

Aber man kann lange hin und her erklären, manchmal bringt es ein schöner Vergleich auch ganz einfach auf den Punkt.

Wie dieser hier:
"Die Pharmafirmen gehen mit ihren Medikamenten um wie mit ihren Kindern, sie haben nahezu eine Liebesbeziehung zu ihnen: Sie haben sie entwickelt, modifiziert, sie haben Rückschläge erlebt, auf Zulassung gehofft. Sie können sie nicht objektiv beurteilen. Genauso wenig können Eltern das Zeugnis ihrer Kinder schreiben."
Gesagt hat das Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu der Unmöglichkeit, von der Pharmaindustrie objektive Bewertungen von Arzneimitteln zu erwarten. Zitiert aus der taz vom 6. Januar 2007.

Wir haben es gefunden im Pharmabrief 1/2 2007 der BUKO-Pharmakampagne.
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Die große Actimel-Studie: Tag 9

... protokollieren ist ja schon recht langweilig ...

10:45 Uhr. In vier Zügen zügig geleert. Geschmack kommt uns irgendwie intensiver vor, nervt aber auch ein bisschen. Verdauung wie gehabt, Befindlichkeit ebenso. 6.

Grippaler Infekt hat den Rest der Familie im Griff.

Weitermachen.
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Die große Actimel-Studie: Tag 8

... immer weiter, immer weiter ...

Heute das Fläschchen wieder in vier schnellen Zügen geleert. 9:15. Kein Widerwille. Verdauung gut, Befindlichkeit durchschnittlich gut, 6.

Zweites Familienmitglied grippaler Infekt, voll ausgebrochen, Fieber, Husten, Schnupfen. Erste Betroffene auf dem Weg der Besserung, aber immer noch gelegentliches Husten und Müdigkeit.
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Die große Actimel-Studie: Tag 7

... die Hälfte ist erreicht ...

Das Fläschchen haben wir heute erstmals nicht mit ein paar schnellen Zügen geleert. Wir verspürten überraschend einen gewissen Widerwillen. Deshalb haben wir es so nebenher im Laufe einer viertel Stunde zwischen 10:30 und 10:45 geleert. Gestern abend leichtes Magenbrummen, ansonsten gute Verdauung. Könnte am Salat zu später Stunde gelegen haben. Befindlichkeit ansonsten wie gehabt: durchschnittlich gut, also 6.

Grippaler Infekt hat sich auf zweites Familienmitglied ausgebreitet. Fieber, Schnupfen, leichter Husten. Bei erster Betroffener allmähliche Besserung.

(... und das tippen wir in unser Laptop mit W-Lan, während Matthew Broderick alias David Lightman in Wargames über Telefonleitung (Hörermuscheln auf Modemdingsbums gesteckt), klassischem schwarzem Bildschirm und grüner Schrift, gigantischem Floppy-Disk und Nadeldrucker den Computer Joshua von NORAD anzapft, und mit ihm "Weltweiter Thermonuklearer Krieg" spielt.

Bizarr ...DEFCON 3, damals im Film als der Computer losspinnt, und heute? Wir folgen dem NORAD-Link im Wikipedia-Artikel zur NORAD-Seite und von da zum Department of Homeland Security Thread Level: Für USA Elevated, Gelb, dritthöchster Level. Und für den Flugbereich: High, Orange, zweithöchster Level. Das wäre damals DEFCON 2 gewesen, bizarr ...
)
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Vitamine töten Euch!

Guten Morgen Ihr Vitamin-Gurus, die Ihr glaubt, Vitamine seien das Allheilmittel gegen jegliches Erbrechen und man könne gar nicht genug davon bekommen (und mit der normalen Nahrung nehme man sowieso zu wenig dieser wichtigen Stoffe auf).

Und guten Morgen Ihr Ahnungslosen, die Vitamine schlucken, weil Sie glauben, das hilft schon irgendwie, weil sind ja Antioxidanzien, und viel hilft schon viel, und die sich damit ihr schlechtes Gewissen beruhigen, weil sie glauben, sie ernähren sich zu schlecht.

Guten Morgen all Ihr Vitamin-Junkies,

heute schon JAMA gelesen, oder wenigstens die Print-Ausgabe der SZ (naturgemäß nicht online). Vielleicht wird es ja auch in der online-Ausgabe erscheinen. Jetzt auch online.

Titel: Zu viel des Guten
Untertitel: Antioxidative Vitamine können offenbar das Leben verkürzen

Und, durchfährt Euch jetzt ein kleiner Schrecken am Morgen?

Damit Ihr nicht vorzeitig dumm sterbt: Eine Übersichtsarbeit, die 68 Plazebo-kontrollierte Studien mit synthetischen Vitaminen mit mehr als 230.000 Teilnehmern auswertet.

Und hier die ganze Wahrheit direkt ins Gesicht:
"Eine Teilauswertung ergab, dass in 47 Studien, in denen methodisch besonders sorgfältig gearbeitet wurde, die Sterblichkeit unter denen, die regelmäßig Vitamin A nahmen, um 16 Prozent erhöht war, während sie bei Vitamin E um vier Prozent und bei Beta-Karotin um sieben Prozent höher lag. Es wurde kein Beleg dafür gefunden, dass Vitamin C und Selen die Sterblichkeit erhöhen. Genauso wenig gab es Hinweise dafür, dass diese Substanzen das Leben verlängern."
Vergesst all die zitierten Studien, die zeigen sollen, wie wichtig es ist, Vitamine einzuwerfen, die eh nur Grundlagenstudien in Reagenzgläsern oder schlecht gemachte Untersuchungen sind.

SZ-Autor Werner Bartens zitiert Gerd Antes vom Cochrane-Zentrum in Freiburg:
"Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung über antioxidative und Krebs verhindernde Eigenschaften von Vitaminen nicht einfach auf Menschen übertragen werden können."
Und? Ihr Vitamin-Jünger, geht´s Euch jetzt besser? Wenn Ihr jetzt Ahnung von Wissenschaft hättet, wüsstet Ihr natürlich, dass es natürlich nicht ganz so schhlimm ist. Es gibt noch einen Ausweg:

Es ist erstmal nur die eine Studie. Und wenn Ihr uns regelmäßig verfolgen würdet, statt Gesundheitstipps in Frauenzeitschriften oder obskuren Internetforen zu lesen, dann wüsstet Ihr, dass auch jetzt gilt:

Eine Studie ist keine Studie. Das Ergebnis muss erstmal bestätigt werden.

Aber: Bevor Ihr jetzt aufatmet, lest erstmal noch das, was Gerd Antes dazu sagt:
"Wenn sich der massive Verdacht der erhöhten Sterblichkeit erhärtet, haben sich die Vorzeichen umgedreht. Statt antioxidative Vitamine zu fordern, müsste ihr Einsatz zukünftig wohl verteidigt und gut begründet werden."
Also, versprecht Euch nicht zu viel davon. Unser Bauchgefühl sagt uns: Ihr kommt damit nicht durch. Jetzt ist Schluss mit Vitamin-Einwerfen.

Na, ihr Freunde des Vitamins. So beginnt der Tag doch richtig gut.

Also: Losung des Tages: Weg mit all den Tabletten und Pülverchen. Macht Euch frei von Eurem schlechten Gewissen. Es war nur eine Fata Morgana.


So, das musste jetzt mal raus. Eine Polemik am Morgen vetreibt Kummer und Sorgen ...
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Die große Actimel-Studie: Tag 6

... und weiter geht´s ... (erst Tag 6, das zieht sich) ...

10:00. Das Fläschchen in mehreren Zügen geleert. (Genaue Angabe nicht mehr möglich, weil wir währenddessen diesen Artikel über die Ursachen für Betrug in der Wissenschaft lasen). Okay, da wir eine Zahl in unser Protokoll eingeben müssen, sagen wir mal, wir haben das Fläschchen in vier Zügen geleert. Tut ja keinem weh und wird auch sicher am Gesamtergebnis nichts ändern.

Ansonsten: Verdauung nach wie vor gut. Niesen wie gehabt. Befindlichkeit durchschnittlich gut, also eine 6.

Familiär haben sich sich die Symptome des gripalen Infektes bei der betroffenen Person gestern nochmal ein wenig verstärkt, starker Schnupfen, aber kein Fieber. Heute morgen etwas abgeklungen.
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Die große Actimel-Studie: Tag 5

... auch heute wieder ein Fläschchen ...

Actimel um 09:30 Uhr in vier Zügen geleert. Am gestrigen Tag wieder geniest. Verdauung nach wie vor ohne Probleme. Befindlichkeit wie gehabt bei durchschnittlich gut, also einer 6 auf der Skala.

Im familiären Umkreis haben sich die Schnupfensymptome der erkrankten Person verstärkt, kein Fieber, keine Gliederschmerzen.
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Zyprexa: Mediziner am Mietmaul-Pranger

Apropos weiße Kittel als Plazebo. Eine besondere Form von Meinungsplazebo sind so genannte "Mietmäuler". Damit bezeichnet man z.B. Ärzte, die auf Rechnung einer Pharmafirma ihre Meinung zugunsten eines Produktes dieser Pharmafirma vertreten (z.B. auf Kongressen oder als Experten für die Presse).

Als Journalist ist es wichtig zu wissen, wer sich als Mietmaul verkauft und wer nicht. Das lässt sich herausfinden (oder man kann sich dem zumindest annähern), indem man Kollegen fragt, oder einfach mal den Namen des Experten in Zusammenhang mit einer Pharmafirma/einem Medikament in Google eingibt.

Wie das genau geht, hat hockeystick gerade bei der boocompany gezeigt.

Ergebnis ist eine Liste von Wissenschaftlern, die in Artikeln der Ärzte-Zeitung seit 1999 im Zusammenhang mit Symposien oder Veranstaltungen für das Antipsychotikum Zyprexa auftauchen, und laut hockeystick eine weitere Gemeinsamkeit haben: "Alle finden sie Zyprexa gut." (Welcher Skandal dahinter steckt siehe hier und hier).

Ergebnis ist eine Namensliste, die einem helfen kann, herauszufinden, ob ein Experte eine unvoreingenommene Meinung zum Thema Zyprexa hat(te) oder anfällig dafür sein kann, sich von der Pharmabranche vereinnahmen zu lassen.

Ergebnis ist ein Pranger.

(Oder haben wir das jetzt nur daraus gemacht, weil wir hockeysticks Beitrag nur aus dieser Richtung betrachten. Er schreibt ja schließlich nichts von Mietmäulern. Und er meint es vielleicht ganz anders?

Oder sind wir ihm ganz anders auf den Leim gegangen, weil er es zwar nicht ausdrücklich geschrieben hat, aber durch Links zu anderen Artikeln zum Thema Zyprexa ziemlich eindeutig macht, was er meint, und er weiß natürlich wie das Web funktioniert, wie sich das verselbstständigt ... und er schreibt es schließlich auf boocompany.de
)


Ergebnis ist ...

(Ihr seht uns zweifelnd ...)
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Scheinärzte: Maurer in Arztkitteln

Es sind ja nicht nur Pillen, die man als Plazebo einsetzen kann. Sehr wichtig ist auch das ganze Prozedere, die Behandlung, der Arzt an sich, die mit dazu beitragen, dass sich ein Patient als behandelt fühlt und damit seine Selbstheilungskräfte aktiviert.

Wie leicht man offenbar den Arzt ersetzen kann in dieser Prozedur, zeigt eine Meldung, die über Spiegel, dpa und SZ-onlien bis zu uns vordrang.

Das Werksarztzentrum Recklinghausen hat Maurer und Bäcker in Arztkittel gesteckt und sie als Werksärzte ausgegeben. War offensichtlich erfolgreich. Laut einer Radiomeldung des WDR 5 von gestern (die wir hier nur aus der Erinnerung widergeben) haben die Schein-Ärzte seit 1991 Blut abgenommen und /oder Impfungen verabreicht. Ob sich das wohl auf den Krankenstand bei Firmen wie Coca Cola, Randstad oder Degussa auswirkte?
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Die große Actimel-Studie: Tag 4

... und noch ein Fläschchen ...

Protokoll Tag 4:
Fläschchen in vier Zügen geleert. Im Verlauf des gestrigen Tages häufiger geniest. Verdauung ist gut. Befindlichkeit durchschnittlich gut, was auf der Skala einer 6 entspricht.

Fläschchen seit gestern nachmittag in Kühlschrank gelagert.

Im familiären Umfeld sind die Symptome des grippalen Infektes weitgehend zurück gegangen. Ähnlicher schneller Verlauf wie beim Probanden vor zwei Wochen.
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aktualisiert: 12. Dez, 12:22
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