Die große Actimel-Studie: Tag 3

und das nächste Fläschchen ...

Protokoll Tag 3:
Fläschchen in vier Zügen geleert. Im Verlauf des gestrigen Tages häufiger geniest. Verdauung einwandfrei. Befindlichkeit durchschnittlich, was auf der Skala einer 5 entspricht. Führen wir auf Alkoholgenuss am gestrigen Abend in verrauchter Stammkneipe zurück.

Im familiären Umfeld ist eine Person an einem grippalen Infekt erkrankt, leiches Fieber, Schnupfen, Gliederschmerzen. Ähnliche Symptome wie beim Probanden vor zwei Wochen.
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Die große Actimel-Studie: Tag 2

... und weiter geht´s mit unserer großen Actimel-Studie.

Protokoll Tag 2:
Wir haben um 08:30 Uhr das Actimel-Fläschchen in vier Zügen zügig geleert. Wir fühlen uns durchschnittlich gut, was einer 6 auf der Befindlichkeitsskala entspricht.

Keine Erkältungssymptome. Die Verdauung ist gut. Etwas trockene Nase. Außerdem eine Verspannung im Bereich des rechten Schulterblattes, vermutlich durch eine unsachgemäße Schlaflage in der Nacht.
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Die große Actimel-Studie: Tag 1

Wir wollen es endlich wissen. Wir fühlen Actimel auf den Zahn. Was ist dran an dem vielgepriesenen "stärkt die Abwehr" und dem von (Fast-Diplom-)Meteorologe Jörg Kachelmann verkündeten "Es geht mir besser."

Wir haben beschlossen, das in einer Studie auf höchstem best möglichem wissenschaftlichen Niveau zu untersuchen.

Studiendesign:
Es handelt sich um eine prospektive, randomisierte Fall-Studie.

Endpunkte sind:

1. Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens ("Es geht mir besser.") gemessen an einer Befindlichkeitsskala von 0 (Exodus) bis 10 (besonders sehr gut) und

2. Nicht-Verschlechterung des Gesundheitszustandes z.B. Verhinderung einer Erkältung o.ä. gemessen durch tägliche Fiebermessen und Einschätzung typischer Erkältungssymptome.

Der Endpunkt "bessere Verdauung" wurde verworfen, weil das Produkt dazu keine Versprechen macht. Dafür müssten wir eine Studie mit Activia, ebenfalls Danone, durchführen. Trotzdem werden wir den Punkt "Verdauung" täglich protokollieren.

Prospektiv ist die Studie, weil wir nicht rückblickend unseren Zustand über einen vergangenen Zeitraum betrachten (retrospektiv), sondern über den Zeitraum der nächsten 14 Tage (Geld-zurück-Garantie).

Randomisiert ist die Studie, weil wir zufällig eine Person ausgewählt haben, die täglich ein Fläschchen Actimel trinkt. Der Zufall wollte es so, das dies ein Mitglied von Plazeboalarm ist (in dem Fall ich).

Es handelt sich um eine Fall-Studie, da wir leider nicht in der Lage waren, mehr als einen Probanden aufzutreiben.

Dies verhinderte auch die Chance eine doppeltblind randomisierte Studie durchzuführen, weil Proband und Betreuer aus Kapazitäts- und Kostengründen ein und diesselbe Person sein müssen.

Placebokontrolliert ist deshalb auch nicht möglich, weil wir keine Kontrollgruppe zur Verfügung haben, und es uns auch nicht möglich ist, einen gleichschmeckenden Ersatztrank (Placebo) herzustellen.

Versuchsablauf: Wir werden täglich über den Zeitraum von 14 Tagen ein Actimel der Firma Danone ohne spezielle Geschmacksrichtung einnehmen.

Auf der Befindlichkeitsskala werden wir unsere Befindlichkeit notieren, außerdem beschreiben wir Symtome, die auf eine Erkältung oder ähnliches hindeuten.

Anzahl der Probanden:
n=1, männlich, Kaukasier.

Testgetränk:
Zuvor wurden vier Viererpacks Actimel (mit L. casei defensis-Kulturen) im örtlichen Supermarkt gekauft. Sie lagern auf dem Balkon, was derzeit noch ausreichende Kühlung garantiert.

Ethikrat:
Die Studie ist vom Familienrat abgesegnet.

Finanzierung:
Finanziert wird die Studie zunächst durch den teilnehmenden Probanden/Betreuer. Sollte der Endpunkt "Ich fühle mich besser" nicht erreicht werden, übernimmt Danone dank der "Geld-zurück-Garantie" die Kosten.

Competing interest/Conflicts of interest:
Wir erklären, dass es keinerlei Verbindung zu Danone gibt.

Protokoll Tag 1:
Wir haben um 09:15 Uhr ein Fläschchen Actimel in drei Zügen geleert.

Wir fühlen uns durchschnittlich gut. Das entsprich auf der Befindlichkeitsskala einer 6.

Erkältungsymptome stellen wir keine fest. Müssen aber notieren, dass wir vor ca. eineinhalb Wochen eine starke Erkältung hatten. Wir müssen gelegentlich noch zum Taschentuch greifen, um die Nase frei zu schneuzen, was aber auch als mögliche Symptome einer bekannten Hausstauballergie oder des beginnenden Heuschnupfens gewertet werden können. Gelegentliches Niesen. Die Verdauung ist gut.
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BILD-Beweis: Sternzeichen mit Darmproblem

Apropos bullshit ...

Zum Thema Wissenschaft in der BILD-Zeitung halten wir uns ja völlig zurück. Die Jungs und Mädels vom Bildblog (gehabt Euch wohl) machen das in einem Aufwasch gleich mit.

Einen besonders schönen Fall hatten die BILD-Beobachter gerade an diesem Wochenende. Den finden wir so köstlich, dass wir darauf verweisen möchten, damit ihn auch alle die mitbekommen, die entweder keine BILD lesen oder bildblog.de selten frequentieren.

Nur kurz: Wissenschaftler hatten zeigen wollen, dass man, wenn man nur lange genug sucht oder einfach zu unspezifisch fragt, immer einen irgendwie gearteten statistischen Zusammenhang finden kann. Zum Beispiel den, zwischen einem Sternzeichen und einer Krankheit. Ein Zusammenhang, der nicht wirklich existiert, wie die Wissenschaftler um Peter Austin später nachwiesen, den die BILD-Zeitung aber (offenbar völlig missverstanden) zum Aufmacher hochjuxte:

SO WIRKEN DIE STERNE AUF IHRE GESUNDHEIT

Wie die ganze Geschichte ablief und ausging, findet der geneigte Leser hier.

Und wie Wissenschaftler Peter Austin auf das ganze reagierte, folgt dann hier.

Bildblog, wir könnten Euch knutschen.

Nachtrag:
Zum abstract der Studie geht´s hier. Da fällt dann auch auf, dass das Paper schon im Juli 2006 online veröffentlicht war. Aus der (Motten-)Kiste wurde die ganze Sache geholt, weil Austin auf der AAAS einen Vortrag zum Thema hielt.

Auch ein Lehrstück dafür, warum manche Geschichten zu einem bestimmten Zeitpunkt in den Medien erscheinen.

Zusatz:
Vielleicht sollte BILD den Scienceticker als Wissenschaftsnachrichtendienst abonnieren (und bezahlen) ...

Zusatz 2
Unsere Beiträge zum Thema Astrologie und Sternzeichen ...
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Wenn Promis bullshit reden

Wissenschaftler zählen selten oder so gut wie nie (oder eigentlich nie) zu dem, was man Celebrities nennt, die Glamour umhüllten Stars und Prominenten des Showbusiness.

Stars und Sternchen wiederum sind andererseits auch nicht jene, von denen wir wissenschaftlich korrekte Antworten auf die Fragen dieser Welt erwarten (das ist ähnlich wie mit Fußballern, die sollen schließlich Fußball spielen und nicht die Welt erklären).

Problem: Prominente (genau wie Fußballer) werden nur ständig zu irgendwelchen Themen gefragt. Und weil sie eben prominent sind, scheint eine Vielzahl von Menschen zu glauben, sie müssten Recht haben.

Andererseits scheint es auch Prominente zu geben, die glauben, nur weil sie prominent sind und eine Antwort auf eine Frage artikulieren können, muss das, was sie sagen, auch stimmen.

No Sir, dies ist nicht so.

Woher wir das wissen. Die englische Organisation Sense about Science, hat einmal Zitate prominenter Menschen von Chefkoch Jamie Oliver über Popstar Madonna bis Nochehefrau Heather Mills McCartney zusammengestellt, die offenbaren, dass auch Prominte manchmal ganz schönen bullshit quatschen.

Und weil Sense about Science eine Organisation ist, der es wichtig ist, die breite Öffentlichkeit über Wissenschaft und deren Fähigkeiten aufzuklären, liefert eine Reihe von Wissenschaftlern (langweilig und ohne celebrity-Faktor) die Richtigstellung gleich hinterher.

Das Faltblatt mit den Zitaten und den Richtigstellungen gibts hier (engl. und als pdf).

So, und jetzt lasst uns doch mal sammeln, was deutsch(sprachige)e A-, B-, und C-Promis so alles von sich geben, wenn sie ihren Hauswissenschaftler nicht gleich zur Hand haben ...
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No, no, nie Noni-Saft, nie, nie

Ein Blick hinter die Kulissen des Noni-Saft Imperiums liefert diese tolle Reportage von Reinhold Rühl auf sueddeutsche.de

Lesen, sich wundern und ärgern ... und gleich hintendrein den Beitrag von Nikolas Westerhoff über die Versuche lesen, wie man Placebos richtig einsetzt.

Nachtrag:
Zum Thema Noni-Saft gibt´s auch noch was in der neuen Ausgabe von Gute Pillen - Schlechte Pillen, dem wirklich unabhängigen Patientenmagazin (weil frei von Werbung und damit auch unabhängig vom Tropf der Anzeigenkunden).

Zum Heft geht´s hier lang.
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