Gewisse Gewissheiten

Weil es uns immer wieder beschämt, mit welcher Konstanz Ben Goldacre seine wöchentliche Kolumne Bad Science im Guardian (oder privat hier) auf hohem Niveau hält, schauen wir nur noch selten hin (ist das schizo?!). Dauernd so beschämt zu werden, hält man auf die Dauer einfach nicht aus.

Heute dann doch mal wieder geguckt. Und wie es sich gehört, weist er uns darauf hin, dass es wichtig ist, Gewissheiten immer wieder zu überprüfen. Zum Beispiel:
"Viele von uns gehen sehr zufrieden mit einer "Delfine sind gut, Pharmakonzerne sind böse"-Moral durch die Welt."
Dass es so einfach natürlich nicht ist, ahnt man schon (und weiß man auch). Warum, erklärt Ben, dann im Folgenden.

Zum Thema Bias haben wir uns ja schon ausgelassen. Wir wollten nur nochmal darauf hinweisen:

Dass übernatürlich viele von (Pharma)firmen gesponsorte Studien positiv (also zu Gunsten des Produktes) ausfallen, muss natürlich nicht immer bedeuten, dass die Studie im Einzelfall irgendwie "frisiert" wurden.

Es kann auch bedeuten, dass sie im Einzelfall tatsächlich eine gute Studie durchgeführt haben und das Zeug tatsächlich was bringt.

Es kann auch einfach sein, dass eben nur die Studien veröffentlicht wurden, die ein positives Ergebnis erbracht haben, und die anderen nicht veröffentlicht wurden (es kann viele Gründe haben, warum was nicht klappt).

Was aber sicher nicht sein kann: Dass eine Firma eine einzige Studie veröffentlicht, und glaubt, dass sie damit durchkommt. (Das darf nicht sein. Jaaa, wir haben uns noch nicht darum gekümmert, wissen wir, kommt noch, sicher ...)

Aber: Wenn wir dann unsere Gewissheiten ausreichend über den Haufen geworfen haben, um 'open minded' zu bleiben, schauen wir kurz bei der Stationären Aufnahme vorbei - und schon sind gewisse Gewissheiten wieder gewiss.
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Ärztehasser am Freitag, dem 13.

1. Heute ist Freitag, der 13. Aber es wird alles nicht so schlimm wie an diesem Freitag, dem 13. Also locker bleiben.

2. Sollten Sie in den nächsten Tagen ins Krankenhaus müssen, lesen Sie bitte nicht dies. Ex-Klinikarzt und Jetzt-SZ-Redakteur Werner Bartens hat aufgeschrieben, was er in zwei Jahren an der Klinik erlebt hat. Er gibt all die Antworten auf die eine Frage: "Was halten Ärzte eigentlich von Patienten?"

Es hat für ein ganzes Buch gereicht ...
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Was an der Backe

Wir wollten darauf verweisen, dass wir das hier mit dem Mozart-Effekt schon wussten.

Wir wollten einen Guten Rat Nr. 4 verbreiten, nämlich, dass man bei Angaben in Prozent immer, immer, immer nachfragen muss: "Von was?" oder "Im Vergleich zu was?" Wirklich immer, immer. Ganz stur und doof.

Wir wollten uns das hier mal genauer ansehen (ach Du Scheiße, die Auswertung unserer großen Actimel-Studie ...)

Wir wollten ...

... aber es fehlt uns die Schmäh, die Kraft und die Lustigkeit, weil wir derzeit einfach zu viele Themen an der Backe haben/oder hatten. Darunter leidet der Wille zur Aufklärung an dieser Stelle.

Habt Euch lieb.

Nachtrag:
Die Übersichtsarbeit mit weiteren interessanten Artikeln zum Thema Musik und "schlau werden" des BMBF gibt es hier als pdf.

Es geht übrigens nicht um den Einsatz von klassischer Musik in der Schwangerschaft, um die Intelligenz des kommenden Erdenbürgers zu fördern. Aber wie gesagt, da wussten wir ja schon, dass das Humbug ist (siehe oben).

Nachtrag 2:
Es geht übrigens immer nur um die Effekte durch Musik hören, nicht durch Musik machen (Unterricht. Da gibt es Hinweise, dass das was bringt. (Da Föten keine Musik machen können, fällt der Aspekt sowieso flach.) Wartet ab: Es wird jemand erscheinen, der Musikunterricht für Schwangere anbieten wird ...
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Alkohol vernebelt Journalisten die Sicht

Journalisten haben dem Klischee nach ein besonders zugeneigtes Verhältnis zum Alkohol. Sollte es stimmen, könnte das einer der Gründe dafür sein, dass seit einigen Jahren immer wieder besonders gerne darüber berichtet wird, dass Alkohol in Maßen getrunken, einen durchaus gesundheitsförderlichen Effekt haben soll. (abgesehen davon, dass Studien von der Alkohollobby gesponsert werden usw.)

Und sollte das Klischee stimmen, dann sollte man diese Meldungen mit ganz besonderer Vorsicht genießen. Denn es könnte ja durchaus sein, dass Journalisten dann eben vor allem auf die Meldungen und PR-Aussendungen reagieren, die ihnen selbst ein wenig das schlechte Gewissen nehmen. Und dadurch entsteht ein Bias in der Berichterstattung über die gesundheitliche Wirkung von mäßigem Alkohol.

Wie es denn jetzt tatsächlich aussieht mit dem Alkohol und der Gesundheit, dass erklärt hoffentlich ganz unbeeinflusst Monika Kunze in der Wissenschaftssendung Leonardo bei WDR 5, die die lieben Kollegen von wisskomm.de immer übersehen (Seit es Streams gibt, kann man WDR 5 ja auch in Berlin hören).
"Alkohol ist wahrscheinlich doch eher ungesund", sagen jetzt einige Wissenschaftler, nachdem sie die Studien der vergangenen Jahre gründlich angeschaut und neu ausgewertet haben. Einige Studien sind offenbar methodisch mangelhaft und liefern unter Umständen falsche Ergebnisse.
Das hört sich nicht so gut an, was der Ankündigungstext der Sendung Leonardo für heute verspricht.

Also reinhören ab 16:05 auf WDR 5, per Livestream oder als Podcast später (auch bei itunes). Oder hier jetzt auch das Manuskript.

Übrigens: Ganz so schlimm ist es dann doch nicht.
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Jod S11-Körnchen mit TAED-System

Ihr merkt schon: zäh ist es hier immer noch. Die Finger fliegen für die Brotjobs. Aber wir wollen wenigstens eine der Geschichten auflösen, die wir letzte Woche versprochen hatten.

Für unsere Geld-verdien-Geschichte über "Wissenschaft in der Werbung" (die zum Beispiel hier erschienen ist), stießen wir bei unseren Recherchen natürlich auch auf den Waschmittelklassiker TAED-System und die legendären Jod S11-Körnchen.

"Wissenschaft oder pures Marketing?", war die Frage.

Um es kurz zu machen: TAED-System ist echt, wie ein einfacher Blick in die Wikipedia zeigt.

Und Jod S11-Körnchen? Der Zusatz S11 suggerierte immer, es handle sich um ein ganz spezielles Jod, dass man nur bekommt, wenn man den gefiederten Freunden Trill zum Naschen gibt. Als wäre Jod S11 eine Bezeichnung gemäß einer international anerkannten Nomenklatur für chemische Elemente (oder so ...).

Das weltweite Netz hat die Sache natürlich längst geblickt, schießt aber über das Ziel hinaus: Das S stehe für Sonnenblumenkerne und die 11 schlicht für die Anzahl der Buchstaben des Wortes Sonnenblume. (Ist ein bisschen schwer zu verlinken, Erläuterungen gibt´s aber zum Beispiel hier und hier, man muss ein bisschen Suchen, vielleicht einfach indem man Jod in die Seitensuchfunktion eingibt.)

Wir haben einfach mal Masterfood nachgefragt. Bettina Klausen von der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung antwortet wie folgt:
"Die Spekulationen im Internet sind natürlich recht amüsant, die korrekte Auflösung lautet aber folgendermaßen:

Die TRILL Körnchen hießen "Jod S11" aus folgendem Grund:
  • Jod steht natürlich für Jod
  • S steht für Schilddrüse
  • 11 steht für die 11 Mineralstoffe und Spurenelemente, die wichtig für die Schilddrüsenfunktion und in den Körnchen enthalten sind."
Das Jod sei ganz normals Jod, bestätigt sie auf Nachfrage.

So profan kann die Werbewelt sein, wenn es denn stimmt. Ob die Stoffe dann wirklich wichtig für die Schilddrüse sind und tatsächlich die Schilddrüse schützen, dass ist natürlich eine ganz andere Geschichte.

Aber die erzählen wir vieleicht ein anderes Mal.
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Nächste ist diese Woche

Nächste Woche ist diese Woche: Wir sind wieder zurück und schon wieder voll im Schreibstress.

Zuletzt gab´s wieder mal eine unserer Geld-verdien-Geschichten, über eine Krankenversicherung, einen wirtschaftlich verflechteten Arzt und eine Krebstherapie. Findet sich hier.

Und beim selben "Sender" gibts eine schöne, neue Reihe von Markus Schulte von Drach über die Versprechen der Alternativen Medizin. Schöner Titel: Alternative: Skepsis.

Soweit erstmal.
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