Sollen wir den Saft kaufen oder nicht?

BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon aurum 2009 in meinem Blog Plazeboalarm auf scienceblogs.de in drei Folgen fortgesetzt: Cellagon aurum: Die zweite Staffel


Nur als Hinweis: Wir haben die Studie über Cellagon aurum einem Mediziner gegeben, der sich sehr gut mit Studiendesigns auskennt.

Seine Antwort müssen wir jetzt noch zusammenfassen, sobald hier Kapazitäten frei sind. Wir werde auch versuchen noch eine zweite Meinung einzuholen.

Seid gespannt.

Demnächst mehr, hier bei !Plazeboalarm!

Nachtrag:
Wie schön: Bei uns hat sich ein Mediziner gemeldet und sich bereit erklärt, auch einen professionellen Blick auf das Cellagon aurum-Paper zu werfen.

Wir sind gespannt. Seid Ihr es auch.
...........................................................................................

GMX Gesundheit: Redaktionell oder werblich?

Mal eine Frage (manche werden Sie rhetorisch nennen):

Gilt für die Webportale der E-Mail-Provider eigentlich auch das journalistische Gebot, wonach redaktionelle Inhalte und werbliche Inhalte klar von einander getrennt sein sollen (müssen)?

Offenbar nicht. Anders können wir uns das gar nicht erklären, dass wir auf dem Themenportal (Nachrichtenportal) von gmx.de zu unserer Überraschung immer wieder zwischen all den Meldungen auf nicht gekennzeichnete werbliche Inhalte stoßen. Wir von Plazeboalarm.de haben uns natürlich nur den Gesundheitskanal angesehen.

Und wir waren durchaus überrascht, als wir mitten in einem Quiz zum Thema "Rauchen" (Teaser: Macht Rauchen wirklich impotent? Kann Nikotin wirklich töten? Testen Sie sich im Qualm-Quiz) neben Wissensfragen wie dieser ... :

------------------------------------------------------------------------
gmx1
------------------------------------------------------------------------

... auch nach einer neuen Nichtraucherpille gefragt wurden:

------------------------------------------------------------------------
gmx2
------------------------------------------------------------------------

Eigenartig. (Offenbar doch keine Werbung, siehe Nachtrag 3, unten)

Uns wunderte auch Folgendes: In der Themenübersicht taucht ein Hinweis auf einen Artikel auf zum unangenehmen Thema Inkontinenz. Schon im Teaser wird auf Hilfe aus der Apotheke verwiesen, sogar mit dem Zeichen, dass darauf hinweist, dass es sich um einen registrierten Produktnamen handelt. (Siehe im Bild rechts).

------------------------------------------------------------------------
gmx3
------------------------------------------------------------------------

Wer dem Verweis folgt, der landet auf einem Artikel (der aussieht wie die redaktionellen Artikel von Agenturen wie der dpa) über Inkontinenz und Reizblase, gegen die aber zum Glück ein Kraut gewachsen ist. Im Text heißt es ganz beiläufig aber schön gefettet, damit man es auch deutlich sieht:
"... Die akuten Beschwerden lassen sich oft am besten mit dem Extrakt aus Goldrutenkraut z.B. Urol flux in den Griff bekommen ..."
(Fettung wie im Original, es fehlt das Sonderzeichen für registrierte Produktnamen, das wir hier irgendwie nicht einbauen können).

Wenn man wissen will, von wem der Text stammt, muss man in das "Anbieter-Impressum" ganz links unten schauen: Der Link bringt einen auf die Webseite des Herstellers von Urol, der Pharmafirma Apogepha Arzneimittel GmbH in Dresden.

Ist doch nett: da weiß man wenigstens, wo es herkommt.

Da brauch man auch keinen Hinweis, dass das alles kein journalistisches, sondern ein werbliches Angebot ist, bei man nicht erwarten kann, dass die Informationen ausgewogen und vor allem unabhängig sind.

Oder reicht da schon der Hinweis rechts oben auf der Seite, dass es sich um ein Angebot von Urol (lux forte, flux Brause, pros) handelt?

Vielleicht sollten wir einfach mal nachfragen? Und wie sieht das bei web.de aus, der United Internet-Schwester von gmx?

Der Themenchannel sieht genauso aus. Eine bunte Mischung aus Gesundheitsartikeln verschiedenster Anbieter wie Nachrichtenagenturen (z.B. AFP, dpa u.a.) und werblichen Angeboten, die aber nicht als solche gekennzeichnet sind (wie der Rauchertest: "Macht Rauchen wirklich impotent?).

Aber unter uns: Wer informiert sich schon auf solchen Seiten?

Nachtrag 1
So hört sich das bei United Media an, wenn Kunden überzeugt werden sollen, Werbung innerhalb der Themenchannels zu platzieren:
"Durch integrative Werbeformen lassen sich Ihre Werbebotschaften in beliebiger Informationstiefe besonders nachhaltig und mit hoher Akzeptanz präsentieren. Nutzen Sie die Vielzahl unserer redaktionellen Umfelder für die zielgenaue Kundenansprache.

Clever "verpackt" liefern Integrationen die Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit informativer Beiträge. Ihre Werbung wird dabei so präsentiert, dass der Konsument sie gerne liest und sich mit den Inhalten beschäftigt - im Kern aber steckt das Hard Selling!
"
"Clever verpackt" gefällt uns natürlich besonders gut ...

Nachtrag 2:

In der Preisliste für Werbekunden heißt das übrigens:
"Advertorials und Text-Module
Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit - werbliche Integrationen mit Informationstiefe satt.
"
Der Gesundheitschannel fällt bei gmx und web.de in die Preisklasse 2 (gemeinsam mit 'Auto'): 19.000 Euro/Monat.

Nachtrag 3:
Kommando zurück, zumindest was den werblichen Charakter der Quizspiele angeht. Wir haben uns noch ein paar andere Quizspiele auf der GMX-Seite angesehen. Zumindest im Quiz über Schnupfen und über Verhütung stießen wir nicht auf Produktnamen. Im Schnupfen gab es zwar die Frage, was als pflanzliches Antibiotikum bezeichnet werde (Umkulabao), aber das kann auch Zufall sein.

Oder arbeiten die subtiler als uns bewusst ist?
...........................................................................................

Kritischer Oralsex

Warum gefällt uns wohl diese Version der "Oralsex macht Mundkrebs"-Geschichte (natürlich aus rein professionell-journalistischer Sicht) besser, als diese.

Die Titel verraten schon viel, oder?:

Wie Oralsex zur Todesgefahr aufgebauscht wird

heißt es bei dem einen.

Oralsex unter Krebsverdacht

beim anderen.

Ein schönes Beispiel für uns alle aus der Zunft, wie unterschiedlich Geschichten ausfallen können. Gründe gibt´s dafür natürlich so viele wie Sterne am Nachthimmel.
...........................................................................................

RKI fasst sich an die dicke Nase

Pikanter Nachtrag zur "Die Deutschen sind die dicksten in der EU"-Debatte.

(Das Folgende entbehrt nicht einer gewissen Komik, und zeigt zugleich, dass man sich auf Pollmer, boocompanys hockeystick und strappato verlassen kann in ihrem Urteil.)

Das Robert-Koch-Institut (RKI) merkt ein wenig verstohlen an (leider nur auf die Hauptseite zu verlinken), dass es fraglich ist:
"... ob die Daten, die in den EU-Mitgliedstaaten getrennt und zum Teil mit unterschiedlichen Methoden und in unterschiedlichen Jahren erhoben wurden, überhaupt vergleichbar sind und sich in einer Rangliste darstellen lassen. ..."
Einer der Kritikpunkte beschreibt Martin Kotynek-Friedl heute in der SZ (Zusatz: bitte auch den Kommentar von hockeystick beachten). Der RKI-Epidemiologe Gert Mensink fasst sich an die eigene Nase:
"Einer seiner (Mensinks) Kritikpunkte ist, dass in Deutschland nur Personen über 24 Jahren berücksichtigt wurden. Viele der Übergewichtsstudien aus anderen Ländern, die mit den Daten aus Deutschland verglichen wurden, beziehen dagegen auch junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren ein. Da diese Altersgruppe weniger häufig übergewichtig sei als ältere Menschen, werde das Übergewicht in Deutschland tendenziell überschätzt, wenn man sie einfach ausklammert, sagt Gert Mensink."
Außerdem stammten die Länderdaten aus unterschiedlichen Jahren: Dänemarks Zahlen etwa aus 1992, die der Franzosen aus 2006.

Während in einigen Ländern das Gewicht gewogen wurde, stammen die RKI-Zahlen aus Telefonumfragen.

Eine gewissen Ironie entbehrt nicht der Hinweis des Mitarbeiters der International Association for the Study of Obesity (IASO), die die den Ländervergleich in Umlauf gebracht hatte: Auf diese Unterschiede habe man hingewiesen. Und:

"Wir behaupten nicht, dass die einzelnen Werte exakt miteinander vergleichbar sind. Wir listen die verfügbaren Zahlen der Länder auf, um das Übergewichts-Problem in Europa zu veranschaulichen.”

Selbsterkenntnis des RKI-Mannes Mensink:
"Im Nachhinein gesehen war es wohl ungeschickt, die Daten in unserem Gesundheitsbericht zu veröffentlichen, ohne sie ausreichend einzuordnen und zu kommentieren."
...........................................................................................

Kaffee für die Nasen

Verstehe einer diese Überschrift, aber manchmal arbeiten wir hier sehr assoziativ.

Als wär´s ein Stück von uns: Ist aber von Friedrich Pekus, den wir noch nicht kennen, aber beglückwünschen zum Stück.

Jetzt würde uns nur noch interessieren: Welcher Kaffee und welcher Tee ist wohl gemeint (also die Produktnamen), die da mit großen Sprüchen und dünner, lancierter Datenlage als Heilsbringer beworben wurden?

Und besonders schön ist der Wink an die Kollegen:

"Meldungen ohne Belang und Qualität einfach zu ignorieren, erfordert Fachwissen und Durchsetzungsvermögen gegenüber den eigenen Chefs."

(Ah, das mit der Nase war, glaube ich, wegen des 'an die eigene Nase fassen', von wegen 'wir Journalisten' und so.)

Nachtrag:
Und hier ist auch noch der zweite Beitrag online gegangen, der uns heute morgen in der SZ aufgefallen war: Dass nämlich Petrischalen-Experimente nichts darüber aussagen, wie ein Stoff im Körper wirkt. Beispiel: die zu den Polyphenolen zählenden Flavonoiden.

Werden gerne als sekundäre Pflanzenstoffe und bioaktive Substanzen angepriesen, als Radikalfänger und Antioxidanzien, die vor Krebs schützen.

Aber leset selbst, den Beitrag von Kathrin Burger.
...........................................................................................

Lasst uns alle dick werden

"Dreiviertel der Deutschen sind übergwichtig", oder "Die Deutschen sind die dicksten Europäer", das haben natürlich alle irgendwie getitelt.

Es ging um diese Tabelle, das Ergebnis eines Surveys dieser Gesellschaft, um mit den Ergebnissen auf ihren Kongress hinzuweisen.

Nachdem wir uns alle erschreckt haben, der Burger uns im Hals stecken blieb, und uns das schlechte Gewissen ein Bier weniger trinken ließ, ist es doch schön, mal wieder etwas zu lesen, was alle Bedenken hinwegwischt.

Ein Mann, auf den man sich da verlassen kann, ist Lebensmittelchemiker Udo Pollmer vom E.U.Le.

Die FAS hat ihn interviewt (dank an wisskomm.de). Hier die Passage, die etwas zur "Studie" sagt, die die Medienlawine auslöste.

Frage FAS: "Eine internationale Studie hat gerade herausgefunden, dass die Deutschen das dickste Volk Europas sind. Zwei Drittel aller Erwachsenen sind fettleibig."

Antwort Pollmer: "Das war keine internationale Studie, das waren zwei Blätter einer Organisation, die nach Angaben des British Medical Journal von der Pharmaindustrie, den Herstellern von Appetitzüglern, gesponsert wird.

Die Zahlen sind wertlos, sie stammen aus den unterschiedlichsten Quellen, sie sind nicht altersstandardisiert und wurden mit unterschiedlichen Methoden erhoben. Die „Studie“ hat nicht einmal Autoren. Aber die Schlagzeilen waren aufsehenerregend.
"

Lässig, oder?
...........................................................................................

Fußballweisheit Nr. 2574: Du bist raus!

Die Angst des Gefoulten vor dem Elfmeter gibt´s auch nicht. Noch so eine Fußballweisheit, die in die Abstellkammer gehört.

Und weil der Ausgang des Spiels vor allem vom Zufall abhängt, weiß man bald gar nicht mehr, welchen Senf man während der Live-Übertragung eines Spiels zum Besten geben soll, um seiner Kompetenz Ausdruck zu verleihen.

Da kommt uns der Gedanke: Könnte es nicht sein, dass diese vermeintlichen Weisheiten gar nie dazu gedacht waren, der Wahrheit zu entsprechen, sondern eben eher dem kommunikationstechnischen Ziel dienten, im täglichen Wettstreit des Überlebens (am Tresen, Arbeitsplatz o.ä.) am Ende schlicht das letzte Wort und damit die Hoheit über den Biergläsern zu erkämpfen?

Dabei geht es dann immmer nur darum plausible, am Ort der Diskussion als gefühlt richtige Statements zu platzieren. Überprüfen kann sie eh keiner. Es muss nur irgendwie nach Zusammenhang klingen: Der Gefoulte macht den Elfer nicht rein, weil er ja gehandicapt ist, oder durch seine Rachegelüste unkonzentriert.

(Stopp. Da fällt uns ein: Die Elfmetergeschichte wurde bisher nur für die Profiliga gecheckt. Kann also sein, dass sie nicht universell gilt. Aber das nur als Hinweis).

Ansonsten gefällt uns unsere These.

Lasst uns darüber nachdenken.
...........................................................................................

Status

Online seit 7280 Tagen
aktualisiert: 12. Dez, 12:22
... login

Suche

 

Aktuelle Beiträge

Diskreditierung
Warum die Studie eines Mannes schlecht sein soll, weil...
Edwar Wait - 12. Dez, 12:21
Na, wo ist die Kritik?...
Mir liegt die Studie aus dem Jahr 2003 ebenfalls vor,...
Edwar Wait - 12. Dez, 12:10
Sollen wir den Saft kaufen...
BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon...
marcus_ 6. Nov, 13:53
Sollen wir den Saft kaufen...
BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon...
marcus_ 6. Nov, 13:51
Der Saft, der uns die...
BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon...
marcus_ 6. Nov, 13:50
Cellagon 2: Eine Studie...
BITTE BEACHTEN: Ich habe die Geschichte zu Cellagon...
marcus_ 6. Nov, 13:45
Wie Placebo wirklich...
Mit Gruß tom-ate
tom-ate - 21. Apr, 21:45

Credits